Das Land braucht endlich mehr Eigentümer


Von Jürgen Michael Schick, IVD-Präsident

Die Deutschen wollen Wohneigentum – wenn man sie lässt. Bundesweit besitzen 52 Prozent der Menschen ein Haus oder eine Wohnung. Weitere 18 Prozent denken über den Erwerb einer Immobilie nach. Mit anderen Worten: 70 Prozent der Bevölkerung sind positiv gegenüber Immobilienbesitz eingestellt. Doch die Politik ignoriert diese Tatsache. Die konsequente Förderung der Eigentumsbildung scheint nicht in ihren Zuständigkeitsbereich zu fallen.

Anders ist es nicht zu erklären, dass Immobilienpolitik hierzulande nahezu gleichbedeutend ist mit Mieterpolitik. Diese steht im Fokus der öffentlichen Debatten, angefangen bei der Mietpreisbremse über die Verlängerung des Bemessungszeitraums für Mietspiegel bis hin zu Regelungen bei der Modernisierungsumlage. Ja, der Mietmarkt ist wichtig. Es ist aber in höchstem Maße undemokratisch, die Interessen der Mehrheitsbevölkerung schlicht zu missachten.

Schutz vor steigenden Mieten

Wohneigentum ist kein überflüssiger Luxus. Wohneigentum hat gesellschaftspolitische Bedeutung. Es festigt das Gemeinwesen, weil Besitz das Verantwortungsbewusstsein stärkt und Eigentümer nicht nur im Hier und Jetzt leben. Spekulative Geschäfte kommen unter privaten Eigenheimbesitzern praktisch nicht vor. Stattdessen betreiben sie solide Zukunftsplanung: Wer ein Haus oder eine Wohnung besitzt, leistet damit etwas für seine soziale Absicherung nach dem Berufsleben. Wohneigentum war nämlich schon immer der beste Weg zur kapitalgedeckten Altersvorsorge.

Es bietet Schutz vor steigenden Mieten und bildet den Kern des Vermögensaufbaus privater Haushalte. Die Renten – die Bürger wissen es schon lange – werden den Lebensabend nicht mehr vollständig absichern; zudem machen die anhaltend niedrigen Zinsen das Sparen unattraktiv. Es sollte der Politik daher zu denken geben, dass die deutsche Wohneigentumsquote im Vergleich zu anderen europäischen Länder eine der niedrigsten ist.

Wäre das anders, hätten in Deutschland auch mehr Menschen mehr Geld auf der hohen Kante und würden im Ruhestand besser dastehen. Der Grund ist simpel: Immobilienbesitzer sind disziplinierte Sparer. Ein weiteres Argument für den frühzeitigen Erwerb einer Immobilie ist der spätere Verkauf, der oft mit einem ansehnlichen Gewinn verbunden ist. Auch ein Leibrenten-Modell ist hier möglich: Der Eigentümer verkauft sein abbezahltes Haus und erhält statt des Kaufpreises eine monatliche Rente, unter Umständen auch noch ein Wohnrecht bis zu seinem Lebensende. Vieles spricht also für die Wohnimmobilie. Was wir deshalb schnell benötigen, ist eine Eigentumspolitik, die gerade jungen Menschen den Schritt ins Eigentum ermöglicht. Was wir nicht brauchen, sind weitere Regulierungsverschärfungen und Investitionshemmnisse für die Immobilienwirtschaft.

Wohneigentum auch für Schwellenhaushalte

Angesichts niedriger Kreditzinsen ist der Zeitpunkt für die Förderung von Eigentum zurzeit optimal. Hilfreich wäre beispielsweise ein staatliches Programm zur Unterstützung von Schwellenhaushalten, denn auch finanziell schwächeren Bürgern sollte der Weg zum Eigenheim geebnet werden. Der IVD fordert in diesem Zusammenhang schon seit langem, Ersterwerber beim Kauf eines Eigenheims von der Grunderwerbsteuer zu befreien.

Die Argumente, mit denen der IVD beim Kampf für eine stärkere Eigentumsbildung ins Feld zieht, sind wissenschaftlich untermauert. So arbeitet der Verband eng mit dem Eduard Pestel Institut für Systemforschung aus Hannover zusammen. Die Wissenschaftler untersuchen zurzeit, unter welchen Voraussetzungen die Wohneigentumsbildung im Neubau einen deutlich vergrößerten Beitrag zur Entlastung der Mietwohnungsmärkte in Ballungsräumen leisten kann. Außerdem geht es in der Studie um die Frage, in welchem Ausmaß über das Wohnen im Eigentum Steuern und Sozialabgaben generiert werden. Über die Ergebnisse wird die AIZ ihre Leser informieren.

Bemerkenswert ist übrigens auch, was Forscher der Uni Hohenheim im Auftrag der LBS-Stiftung Bauen und Wohnen in ihrer Studie herausfanden: Immobilienbesitzer sind glücklichere Menschen.

Quelle: Der Artikel wurde veröffentlicht im AIZ-Immobilienmagazin, Ausgabe 6/2016, S. 11.

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